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Zurück zur Übersicht27.04.2026
Die Erste schafft Klassenerhalt Oberliga Südwest
Nein, der Autor dieser Zeilen leidet nicht an Demenz (äh, was für ein Tag ist heute?) und hat auch keinen Clown zum Frühstück gegessen. Wenn man sich aber den Gegnerschnitt unserer letzten beiden Begegnungen in der 1. Rheinland-Pfalz Liga betrachtet, könnte schon der Gedanke aufkommen, die erste Mannschaft der Schachfreunde Mainz spielt in einer anderen Liga. Während es aber in der Vorschlußrunde für Remagen II noch um den Aufstieg in die besagte Oberliga ging, war in der letzten Runde für beide Mannschaften Abstiegskampf pur angesagt. Für den Ligaverbleib brauchte auch der Oberliga-Absteiger aus Landau noch mindestens einen Punkt, um ganz sicher zu gehen war ein Sieg vonnöten. Da zu erwarten war, daß der Gegner deswegen eine bockstarke Mannschaft aufbieten wird gab es im Vorfeld etliche Gedankenspiele, wie zum Beispiel von unserem "spiritus rector" Claus, mit nur 7 Mann in die Pfalz zu fahren, dem Gegner eine knappe 3,5:4,5 anzubieten und vielleicht mit knappen Brettpunktvorsprung den eigenen Klassenerhalt zu schaffen...
Mit fuhren dann doch mit voller Kapelle in die "Toskana Deutschlands" und durften vor Ort feststellen, daß der Gegner tatsächlich fast alles, was so halbwegs geschickt die Figuren auf dem Schachbrett bewegen konnte an den Start gebracht hat. Mit einem DWZ-Schnitt von nicht einmal 2000 waren wir nominiell klar unterlegen (Gegner: 2113). Deswegen mußte mal wieder Plan B herhalten, der uns schon durch die ganze Saison getragen hat: Durch unsere zahllosen Turnierteilnahmen die eigene DWZ-Zahl soweit nach unten zu "dimmen" (Stichwort: Punktverluste gegen vollkommen unterbewertete Kiddies u.ä), daß wir selber vollkommen unterbewertet die Gegner in falsche Sicherheit wiegen und dann doch die notwendigen Punkte einsammeln. Geniale Strategie!
Soweit die Theorie. In der Praxis alles doch ein bißchen komplizierter. An Brett 1 sah sich Oscar (ja, den gibt´s auch noch!) mit der Caro "Yes we can"- Verteidigung seines Gegners konfrontiert, in der selbige vor einem Königsflügel-Angriff "feige" lang rochierte und somit die Spannung aus der Stellung nahm. Remis! Aber immerhin gegen einen Gegner mit über 2200 DWZ.
Am nächsten Brett gab es ein müdes Remis nach ereignislosen Verlauf. Spaß beiseite! Nach kaum 5 Zügen kam es zu einem komplexen Stellungsbild, in der sich haupsächlich darum drehte, ob Weiß seinen vorwitzigen Bauer auf e5 behaupten konnte. Der Computer sagt Nein! Aber dafür hätte Schwarz sofort g7-g5 spielen müssen (ohne Entwicklung und unrochierten König, na ja!?). Aber auch so blieb die Stellung hochkompliziert (nach 2 Stunden waren gerade mal 10 Züge gespielt). Als Claus dann doch g5 spielte (laut Engine mit Vorteil!), zeigte sich dann doch die Stärke seines Gegners (DWZ 2234): Er bot Remis an! Claus kam nicht umhin, dies anzunehmen (Grund: s.o.!)
An Brett 8 hatte der Berichterstatter dann tatsächlich nur eine Strategie: Nichts, aber auch gar nichts gegen seinen erfahrenen Gegner riskieren. Wer Spaß und Spannung sucht, soll doch bitte in den benachbarten Holiday-Park in Haßloch gehen! Nach 31 Zügen Remis! Immerhin wurde der imaginären Sofia-Regel genüge getan! Zwischenstand: 1,5:1,5
Jan an Brett 6: Gegner deutlich stärker, Anzugsvorteil und Standardstaufbau mit (Angriffs-)Isolani auf d4. Irgendwann d5 mit Vernichtung. Aber dann auf einmal ein schlaffer Zug von Weiß (h3). Generalabtausch und Eroberung des Bauern d4. Im Damenendspiel kaum zu verwerten. Remis! 2:2
Yanislav an 7 zeigte eine Musterpartie, wie man Französisch NICHT behandeln sollte. Abtausch des guten weißfeldrigen Läufers von Weiß gegen den Schlaffi von Schwarz auf d7. Übrig blieb eine Leiche auf b2 (schwarzfeldriger Läüfer!), der frei nach dem Motto "schlechte Läufer decken schlechte Bauern" nichts besseres zu tun hatte, als die Bauernruinen auf a3 und c3 zu decken. Strategische Verluststellung. Der Gegner öffnete dann aber auf dem Königsflügel, was dem Weißen zumindestens "Fuddelchancen" eröffnete. Dies wär auch theoretischer Natur gewesen, wenn der Schwarze sofort seine Dame Richtung (offenen) Königsflügel gebracht hätte (samt Gewinn für Schwarz). So zögerte er aber, der Weiße schlug auf g5 und nach fehlerhaften Turmschach und Schwenk der weißen Schwerfiguren auf die h-Linie war es sofort aus! 3:2
Brett 3 sah Jürgen, der im Saisonendspurt, man kann es nicht anderes sagen, "on fire" ist. Nachdem er in Runde 8 erst IM Muranyi (DWZ 2300) mit Schwarz (!) schlug, erreichte als Weißer eine vielversprechende Angriffsstellung, Nach diversen Matt- und Abzugsdohungen kam es so häufig: Abtausch der Figuren und Überleitung in ein vermeintlich besseres Turmenspiels, in der der Weiße einen Bauern auf e5 einsammeln konnte. Mit der Aktivierung seines eigenen Turmes hätte sein Gegner aber eine remisträchtige Stellung erreichen können. Aber wie es so ist: Turmendspiele sind immer remis, außer man sitzt selbst auf der falschen Seite des Brettes. Um ca. 16 Uhr Sieg für Jürgen, 4:2 und für uns der sichere Klassenerhalt!
Unser Mittelfeld kämpfte unterdessen weiterhin gegen den drohenden Partienverlust an (Landau mußte ja punkten!). Clemens an 5 schaffte es diesmal nicht, im Colle-Zucker"tod" eine Angriffsstellung zu generieren. Die Schwächen auf dem Damenspegel erlaubte es seinem routinierten Gegner (auf diesen "Silver-Ager" trifft sein Name nun wirklich zu!) einen Freibauern zu bilden. 4:3.
Die interresanteste Partie trug indessen Christos an Brett 4 aus. Sein Anti-Katalanisch mit frühen b5 konterte sein jugendlicher Gegner im Mittelspiel mit einem mutigen Qualitätsopfer, das ihm zwei verbundene Freibauern auf dem Damenflügel bescherte. Christos versuchte zunächst eine Blockade auf den weißen Feldern. Nachdem dies nicht gelang, versuchte er mit seinen Schwerfiguren auf der Grundlinie einen Angriff auf den gegnerischen König zu initiieren. Superkompliziert und hochdramatisch! Nach der Zeitkontrolle wechselte die Stellungsbewertung bei der post-mortem Analyse mit dem Comuter fortlaufend: 3 mal ein möglicher Gewinn für Weiß (auch Kiebitz Oscar erspähte zwischenzeitlich ein 5-zügiges Matt!), aber auch zweimal ein Gewinn für Schwarz, dazwischen Möglichkeit des Dauerschachs, bevor Christos am Ende doch aufgeben mußte. Vielleicht trotz der Niederlage eine für die Rubrik "Partie des Monats"? Entstand: 4:4 (als wäre es abgesprochen gewesen!)
Klassenerhalt mit dem nominiell schlechtesten Team der Liga! Vielen Dank an alle Spieler in dieser Saison (neben den oben Beteiligten: Maksym,Eike, Daniel, Ulrich, Alexander, Ingo und Michael). Einen besonderen Dank an Clemens für seine tolle Arbeit als Mannschaftsführer!
Jörg Schneider
P.S.
Sorry Claus, ich war schneller!
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